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Klimawerkler-Exkursion zum Boarhof am Tegernsee

Datum: 26.08.2017


Auch heuer machten sich die Klimawerkler wieder auf den Weg, um interessante Menschen zu besuchen. Diesmal kutschierte uns der Herbert Kress nach Holz bei Bad Wiessee am Tegernsee. Dort bewirtschaften Markus und Maria Bogner einen der ältesten Bauernhöfe im Tegernseer Tal: den Boarhof.

Anders als die meisten Bauern haben die Bogners „Ihren“ Hof und 10 ha Grünland nur für 30 Jahre gepachtet und betreiben dort einen Hofladen, eine Bauernschank und machen Seminare zum Thema Selbstversorgung. 8 ha ihrer Grünland-Fläche nutzt der Nachbar. Von den restlichen 2 ha lebt die 5köpfige Familie. Eine Tatsache, die uns schwer beeindruckt hat.
Nachdem wir im Hofladen eingekauft und das Hofgelände erkundet haben, wurden wir in der Hofschank mit hofeigenen Produkten köstlich bewirtet – und das alles mit einem herrlichen Blick auf das Tegernseer Tal, den See und die Berge. Ein Idyll.
Im Anschluss zeigte uns Markus Bogner (ursprünglich war er Elektroniker und Rettungssanitäter) die ihnen anvertrauten Ländereien. Über 170 verschiedene Obst- und Gemüsesorten kultivieren die beiden: Beerensträucher, Obstbäume (darunter düngen und grasen viele auf dem Hof gezogene Junggänse), 4 große Gewächshäuser mit dutzenden verschiedenen Tomaten- und Gurkensorten (ausnahmslos samenfest aus eigenen Sämereien gezogen), Zucchini, Kürbis etc., einen großen runden Garten mit vielen Parzellen in Mischkultur…


Vielfalt in allen Bereichen sichert das Einkommen…
Ein großer Faktor für ihren Erfolg ist die Vielfalt der verschiedenen Kulturen: irgendetwas fällt immer aus, weil es kalt ist oder trocken, oder nass, oder… dafür wächst etwas anderes wiederum besser. Wenn man sich nur auf ein paar wenige Kulturen versteift (wie es z. B. am Bodensee üblich ist), ist die Anfälligkeit für widriges Wetter oder Schädlinge besonders groß.

Die von Markus Bogner angesprochenen Themen reichten von Saatgutgewinnung von samenfesten Sorten versus Abhängigkeit von Saatgut-/Spritzmittelkonzernen über die Bestäubung (wie lockt man Bienen ins Gewächshaus? Wie sieht ein Hummelheim aus?) zur Vermehrung von Gelbe Rüben und anderen Zweijährigen, Abwehr von Kohlweißlingen im Krautbeet oder Mulchen, oder Anbauversuche (wie der Kartoffelturm oder Tomatillo oder Melonen), Regenwurmbesatz oder, oder…


Ein „Teil“ erfüllt viele Funktionen („und was kann es noch?“)
Schön zu beobachten waren die hochbeinigen Duroc- und Turopolje-Schweine jeglichen Alters, die sowohl als Schneckenvertilger (im eingezäunten Bereich rund um den Garten) und Pflug (als Folge“kultur“ auf dem Getreideacker und im Garten) als auch als Dünger- und erst zu guter Letzt als Fleischlieferanten dienen - oder Bresshühner („bleu/rouge/blanc“) eine Zwienutzungshühnerrasse, die nicht nur etwa 220 Eier pro Jahr legen – sondern auch feines Hühnerfleisch „liefern“ und bis dahin noch im Winter in den Gewächshäusern düngen und den Boden von Schneckeneiern, Drahtwürmern u. a. befreien!

Markus Bogner gab uns in seiner zweistündigen Führung einen klaren und ehrlichen Einblick in eine Klein(st)-Landwirtschaft, die funktioniert und ihre Bewirtschafter (von nur 2 ha Fläche) ernährt! Aufgeräumt hat er aber auch gleich anfangs mit der Idee, so eine Landwirtschaft könnte viele Maschinen finanzieren: „Ich habe mich davon verabschiedet, jede Maschine selbst besitzen zu müssen: Wenn ich einen gebrauchten Kreisler kaufe und 9 000 € dafür bezahle, rentiert sich das für mich nicht.“ So mäht jetzt die 8 ha große Wiesenfläche der Nachbar - und Bogner erhält im Gegenzug das wenige Heu, das er braucht, um seine Gemüsebeete zu mulchen.

Voller Eindrücke („i werd´ nächsts Jahr den Kartoffelturm ausprobieren“), müde aber glücklich („des daat mi z´tot reuen, wenn i heut net dabei sei hätt kinna“) verließen wir den Tegernsee und fuhren an den Obinger See zum Hofcafe „Maria am See“ und ließen bei hausgemachten Kuchen und Bauernhof-Eis den besonderen Tag ausklingen. Schön war´s wieder! Ein herzliches „Danke“ an Marietta Mayer und Anni Huber fürs Organisieren – wir freuen uns schon wieder auf unsere nächste Klimawerkler-Exkursion.