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Der Mensch und seine Sachen – Trilogie

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Als wir uns 1991 den Moloch "Automobil" (filmisch) vorknöpften, hatten wir keine Ahnung von der tiefwurzelnden Gemeinsamkeit zwischen Auto, Fernseher und Computer. Auch daß unser "Nachruf auf das Automobil" der Grundstein einer Trilogie über die Bereitschaft des Menschen, sich seinen selbst geschaffenen Werkzeugen zu versklaven, werden würde, wußten wir nicht. Geplant war eine visuell fulminante Produktlinienanalyse des Automobils.
Erst die intensive Beschäftigung mit diesem ursprünglich genialen Fortbewegungsmittel öffnete uns die Augen für die drogenartige Eigendynamik der lustvollen Selbstversklavung, die wir eher unerwartet in der Hingabe an das Fernsehen und später auch in der Beziehung zwischen Computern und Menschen wiederfanden.

Der Titel BEZIEHUNGSKISTE- Der Computer und sein Mensch klammert in gewisser Weise rückwirkend das gemeinsame Grundthema der Trilogie: Es geht um drei ganz unterschiedliche Kisten, die vom Instrument zum Moloch mutierten und die das Leben und das Gesicht dieses Jahrhunderts geprägt haben, wie kaum eine andere Erfindung.

MAMA PAPA AUTO bedient sich in seiner visuellen Argumentation der klassischen Montage. Im Vergleich zu den beiden folgenden Filmen der Trilogie ein eher traditionelles Mittel, das der Fortbewegung vermittelst Explosionsmotoren - so ausgeklügelt deren Technik auch sein mag - durchaus entspricht. Andererseits wären vor fünf Jahren die Gestaltungsebenen der durchgehenden Überlagerung (BLEIBEN SIE DRAN!) und der Collage (BEZIEHUNGSKISTE) technisch in dieser Form nicht möglich gewesen. Sicherlich spiegeln die drei Filme in exakter Reihenfolge den technisch bedingten Trend von der horizontalen Montage zur vertikalen Montage (Collage). Und doch sind die verwendeten Mittel konsequent vom jeweiligen Sujet abgeleitet:

BLEIBEN SIE DRAN! wird weitgehend aus der hermetischen Perspektive des ins Zimmer glotzenden Fernsehgerätes erzählt, während die Protagonisten hinter dem Schleier des real existierenden Fernsehprogramms über ihre alltägliche Abhängigkeit räsonieren.

In der BEZIEHUNGSKISTE- mutiert der FS-Schirm selbst zum Computerbildschirm und hat die Protagonisten bereits in seinen Pulldown-Menüs und Bildfenstern gleichsam verschluckt. Wo das Denken vom Klick auf Hyperlinks bestimmt wird, ersetzt auch filmsprachlich der Link den Schnitt, wo das Weltbild durch Zappen zusammengesetzt wird, zappt sich auch der Film von Zuschauer zu Zuschauer, deren Satzfragmente erst im Zusammenzappen ein Ganzes bilden. Das Sein bestimmt das Bewußtsein? Nur teilweise. Denn ob besessene Autofahrer, Dauerfernschauer, oder Computerjunkies - allen gemein ist eine ganz erstaunliche Fähigkeit zur Selbstreflexion.
Daß Filme wie MAMA PAPA AUTO wirkungslos seien, widerlegt nicht nur ein prall gefüllter Aktenordner mit überwiegend empörter Autofahrerpost. Wie nachhaltig diese Wirkungen sein können, belegt zumindest die Rückwirkung auf die Autoren: Die zugegeben späte Abschaffung unserer eigenen Autos. (Wir beteiligen uns jetzt an dem Car-Sharing Projekt StattAuto). Die Rückwirkung der beiden Folgefilme steht noch aus. Wir sind gespannt!

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