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Klimawerkler-Exkursion am Waginger See

Datum: 03.08.2019


Die Klimawerkler machen jedes Jahr eine Exkursion zu Initiativen und interessanten Menschen, die Zukunft enkeltauglich machen. Im vergangenen Jahr haben wir das Südtiroler Mals besucht und ernüchterndes über den intensiven „konventionellen“ Apfelanbau und seine Folgen erfahren – und besondere Menschen kennengelernt.
Heuer wollten wir die Heimat in diesem Sinne erkunden. Marlene Berger-Stöckl hat uns in die Ökomodell-Region Waginger See eingeladen – ist sie doch Projektleiterin dieser Initiative www.oekomodellregionen.bayern.

Lebensmittel aus der Region – biologisch und persönlich bekannt…
Marlene organisierte für uns eine Lehrfahrt und die Auswahl der Betriebe fiel uns schwer, denn in den vergangenen Jahren haben sie und ihr Team viele regionale Erzeuger mit Verarbeitern, Einzelhandel, Gastronomie, Gemeinden, Tourismus und Verbrauchern vernetzt. Es gibt quasi nichts wichtiges mehr, was wir an Lebensmitteln NICHT vor Ort beziehen können - in Bioqualität!
Morgens brachen wir mit dem „Feggei-Bus“ auf nach Mögstetten zu Hans und Zenta Posch. Seit Jahren beliefern sie uns Klimawerkler mit ihren Bio-Demeter-Kartoffeln. Hans ist ein versierter Boden-Forscher und war bei unserem Klimawerkler-Stammtisch – auch zu einem Vortrag über Boden-Kultur und zu einem Terra-Preta-Praxis-Seminar. Er zeigte uns nun u. a. seine Schweine, erzählte von der Kooperation mit dem Schlachthof und einheimischen Hotels. Beim Gang über sein Anwesen sahen wir auch seine große Kompostanlage und das neue Schulungsgebäude für den Maschinenring. Nachdem wir viele Fragen gestellt und im Hofladen eingekauft haben, konnten wir noch sein Hanf-Feld besichtigen. Hans ist auch einer der wenigen Bauern im Chiemgau, bei denen biologischer Senf-Anbau gelingt!

Mittagessen unterm Nußbaum auf dem Glück-Hof?
Danach besuchten wir Hans Glück, einem Biobauern der ersten Stunde in unserem Landkreis. Er und seine Partnerin Jutta Staudt-Franzen bewirtschaften einen Hof mit Mutterkuhhaltung, Schweinen, Hühnern, Gemüse, Getreide, Kartoffeln in Tittmoning-Grassach. Hans erzählt von den Anfängen seiner Bio-Umstellung mit allen Schwierigkeiten damals vor 40 Jahren. Seine Lebensgefährtin Jutta Staudt-Franzen ist Imkerin und führt den Hofladen.
Wir wurden auch von den beiden verköstigt mit Gulasch vom eigenen Rind, Salat, Apfelsaft und einer „Waginger-See-Halbe“. Leider hatte das Wetter zur Essenszeit kein Einsehen, so dass wir nicht wie geplant unter dem stattlichen Nußbaum essen konnten. Wir haben es uns trotzdem schmecken lassen – guat wars! Es wäre auch noch viel zu erzählen gewesen – aber wir waren schon angemeldet beim Franz Obermeyer in Tengling. Auch er ist ein Bio-Urgestein und alle, denen Bio-Lebensmittel ein Anliegen sind, haben schon Getreide, Hülsenfrüchte oder Kartoffeln von ihm gekauft oder gegessen – zumal er auch ans Forsthaus Adlgaß seine Erzeugnisse liefert.

Lebens-Mittel-Raritäten aus heimischem Boden
Franz Obermeyer hat uns gezeigt, wie er seine reifen Raritäten (Gerste, Roggen, Hafer, Einkorn, Emmer, Leinsamen, Champagnerroggen, Purpurweizen, Linsen….) abfüllt. Er versteht sein Handwerk und bringt Samen zum Wachsen wie kein anderer! Außerdem sagt auch er bereits seit 40 Jahren klar und deutlich, was er sich denkt – so auch bei uns. Immer schon Vorreiter, ist er u. a. Geschäftsführer der Demeter Getreide Chiemgau GbR, der Erzeuger-Gemeinschaft aus Bauern, Müller und Bäckern, die in der Region nach kurzen und nachvollziehbaren Wegen wirtschaften. Er fuhr mit uns zu seinen Feldern, auf denen noch Buchweizen und Braunhirse standen. Viel haben wir von ihm erfahren! Leider hatte er keine Zeit für einen Einkauf in seinem Hofladen – aber vielleicht können wir auch eine Klimawerkler-Liefergemeinschaft mit ihm aufbauen, wie mit Hans Posch und seinen Kartoffeln? Mal schauen.

Die Fürmannalm und berühmter Besuch…
Als Abschluss gings auf die Fürmannalm zu Gertraud Gafus und Schorsch Planthaler, die uns schon erwarteten. „Ihr seids z´spat!“ hat uns der Schorsch augenzwinkernd begrüßt. Und darum hätten er und Gertraud „keine Kosten und Mühen gescheut“ um jemanden zu organisieren, der uns die „Wadl wieder vürericht´“.
Ein bissl verwundert aber voller guter Laune haben wir uns in der Bauernstube an die liebevoll gedeckte Tafel mit hofeigenen bzw. regionalen Schmankerln gesetzt und beim Essen die Eindrücke des Tages beratscht und bestaunt…
Danach hat uns Schorsch seinen berühmten Besuch vorgestellt: Hubert Weiger mit Ehefrau. Es war ein Erlebnis, den großen Herrn des Umweltschutzes und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande persönlich kennenzulernen! Die Wirtsleute waren mit ihm und dem Agrarbündnis BGL/TS am Tag vorher beisammen und sie haben sich gedacht, die Klimawerkler könnten den Bundesvorsitzenden des BUND (und Ehrenvorsitzenden des Bund Naturschutz in Bayern) auch interessieren! Und so haben wir uns in kleiner Runde kennengelernt. Hubert Weiger befragte uns zu unserem Engagement und wir stellten die Fragen, die uns natürlich auch beschäftigen: Energie, Ernährung, Vielfalt u.v.m. Viel zu kurz war die Zeit!
Nach einem Gruppen-Abschlussfoto und der Zusage zu einem Vortrag von Herrn Weiger bei uns in Inzell, verabschiedeten wir uns und ließen uns vom Schmelz Sepp wieder gut und sicher heimbringen.

Wieder ging ein besonderer Tag zu Ende…
Unser Dank gebührt natürlich der Organisatorin dieser wunderbaren Fahrt! Allein das Angebot der Ökomodellregion Wagingersee könnte jahrelang unsere Exkursionen sichern! Wir sind dankbar, dass es so rührige Biobauern, Verarbeiter, Gastronomen, Hoteliers und Gemeinden gibt – und so unermüdliche Netzwerker wie Marlene Berger-Stöckl, die durch ihr engagiertes Tun alle „zusammenwebt“ und diesen regionalen Bio-Reichtum bekannt macht.
Das kann nicht jede/r und die Anerkennung der Bauern war spürbar.
Es wäre zu wünschen, dass sich Ökomodellregionen weiter ausbreiten. Wir Klimawerkler sind jedenfalls bereit, unseren Anteil der Verantwortung als Verbraucher zu übernehmen. Und: es ist ein schönes Gefühl, Teil der Lösung zu sein.