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Quelle: Veronika Mergenthal

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Quelle: Veronika Mergenthal

"Energiewende - ein Generationenprojekt"

Datum: 02.10.2014


Bürger-Energieprojekte auch touristisch nutzen

Energiewende-Diskussion in Inzell: Berliner Politik für Region kontraproduktiv

Inzell - „Energiewende – ein Generationenprojekt“ - unter diesem Thema stand eine Veranstaltung des Arbeitskreises „Die Klimawerkler“ zum Abschluss der Inzeller Energiewoche. Zahlreiche Interessierte, darunter Bürgermeister Hans Egger, füllten den Raum Niederachen im Rathaus Inzell und diskutierten rege.

Einleitend stellte AK-Leiterin Elisabeth Koch die Ziele der „Klimawerkler“ vor, die sich unter anderem vorgenommen haben, sich eine eigene Meinung zu bilden, Sachverhalte kritisch zu hinterfragen und miteinander neue Lösungen zu entwickeln. Koch wies auch auf die von Hans Huber erstellte Präsentation hin, die im Rathaus-Foyer die Energiebilanz der Gemeinde Inzell und ausgewählter Betriebe präsentierte.

„Die Energie ist da, wir müssen sie nur nutzen“ - diese These stellte Michael Lengersdorff, Vorsitzender des Vereins „100 Prozent Erneuerbar e.V.“ aus Rheinhessen in den Raum. 2013 seien in Deutschland 147 Milliarden Kilowattstunden erneuerbarer Strom erzeugt worden, rund 25 Prozent der bundesweiten Stromerzeugung. Davon entfalle 37 Prozent auf Windkraft, 23 Prozent auf Biomasse, 16 Prozent auf Wasserkraft und 21 Prozent auf Photovoltaik (PV), der Zweig mit dem höchsten Zuwachs. Er rechnete er vor, dass die Atom- und Kohleindustrie von 1970 bis 2012 bei einer Einbeziehung der volkswirtschaftlichen Kosten im Vergleich zu den Erneuerbaren das Zehnfache an Förderung erhielten.

An den Beispielen Energie-Erlebnispfad, Hochseilgarten im Windpark und „Energie-Wandertage“ zeigte er auf, wie Bürger-Energieprojekte auch touristisch und pädagogisch nutzbar sind. Einen Energie-Erlebnispfad könnte er sich gut auf den Höhenlagen am Chiemsee und Waginger See vorstellen.

Wie Dr. Birgit Seeholzer vom Landratsamt, berichtete, werden im Kreis Traunstein bisher etwa zwei Drittel der benötigten Strommenge von 650 Gigawattstunden regenerativ erzeugt. „Die Weiterentwicklung wird eher schwierig.“ Erschwert wird diese - darin waren sich viele Besucher einig – durch die Novellen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz seit 2012. Erich Meyer fragte, wie sich das Thema Freiflächen-PV entwickle. Auf Ackerflächen ist diese laut Seeholzer nach aktueller Rechtsprechung nicht erlaubt. Im Kreis Traunstein bevorzuge man dafür Deponien. Wenn die Einspeisevergütung gekürzt werde oder wegfalle, „geht der Weg zurück zur Atomkraft“, warnte Wilfried Hess, Leiter der Kritischen Akademie Inzell, die PV-Anlagen und eine Hackschnitzelheizung betreibt.

Kritisiert wurde, dass seit August 2014 selbst verbrauchter eigener Sonnenstrom mit einer Abgabe belastet wird, was vor allem Gewerbebetriebe und Mehrfamilienhaus-Besitzer treffe, und dass Elektroautos nicht so gefördert werden wie in Österreich. Auch Tipps wurden ausgetauscht: Bei Senkung der Raumtemperatur um ein Grad ließen sich sechs Prozent Heizenergie sparen, erklärte Willi Eicher von der Stromversorgung Inzell (SVI). Er empfahl, alte Kühlgeräte zu entsorgen, statt sie in den Keller zu stellen und bei einer reichen Ernte wieder in Betrieb zu nehmen. Potential sieht Seeholzer beim Ausbau der Geothermie, der Wasserkraft und beim für Direktvermarkter geeigneten Biogas. Befragt nach der Entwicklung beim Stromverbrauch, berichtete sie, dieser sei von 2010 bis 2012 sei leicht gestiegen, wobei die Groß- und Gewerbebetriebe geringfügig eingespart hätten.

Um von Kohle und Atomenergie weg zu kommen, seien die Endverbraucher gefordert, Ökostrom zu kaufen, ermutigte eine Besucherin zum Anbieter-Wechsel. In Inzell gibt es hier eine Sondersituation: Wie Willi Eicher erklärte, stammt der SVI-Strom zu 100 Prozent aus Wasserkraft. (Veronika Mergenthal)