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Permakultur, samenfestes Saatgut und vieles mehr!

Datum: 29.08.2015


Sehr lehrreich war unsere heurige Tages-Exkursion. Führte sie uns doch zu drei Vorreitern einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion: Permakulturist und Imker Hans Thullner in Übersee, Hubert Jaksch mit seinem „Lebensfeld Jaksch“ in Riedering und Demeter-Gärtner Martin Sichler auf dem Westerbuchberg.
Ein wilder Garten
Der Einstieg war ein wilder: In Übersee begrüßte uns Hans Thullner mit seinem „Empfangskomitee“, einem Laufenten-Paar an der Gartenpforte. Hans erklärte uns anhand seines naturnahen aber gut geplanten Gartens einige Grundsätze der Permakultur. Z. B. dass wichtige Funktionen auf dem Grundstück (Versorgung mit Obst und Gemüse, Energiegewinnung usw.) von mehreren und vielfältigen Faktoren getragen werden sollten, um eine Abhängigkeit (z. B. von Witterung) zu minimieren: „Irgendwas kann ich dann immer ernten“. Oder dass einzelne Elemente mehrere Funktionen ausüben können: Ein Baum kann Sichtschutz sein – und Windschutz und Bienenweide und Obstlieferant, Schattenspender, Hängemattenhalter… Entsprechend werden die Elemente des Permakultur-Gartens ganz gezielt in der Planung eingesetzt. Permakultur-Planung kann auch auf alle anderen Lebensbereiche übertragen werden…

Nach einer Stunde schauen und wundern und fragen… fuhren wir alle zusammen weiter nach Söllhuben zum Hofcafe Leeb und „Lebensfeld Jaksch“.
Lebensfeld: 1 Bauer versorgt 115 Familien das ganze Jahr mit Obst, Gemüse, Getreide – und Wissen
Hubert Jaksch bietet auf seinem Bauernhof mit 7 ha etwa 115 Familien und Einzelpersonen eine Vollversorgung mit biologischem Getreide, Obst und Gemüse über das ganze Jahr. Dazu melden sich die Interessenten bei ihm für 1 Jahr fest an, bezahlen einen Betrag (von 350 € für Einzelperson bis 650 € für Familien mit Kindern), und beteiligen sich an den regelmäßigen Schulungen und Arbeitseinsätzen: Säen, Pflanzen, Terra-Preta-Erde bereiten, Jäten, Ernten, Lagern/Haltbar machen, Brot backen usw.
Jaksch hat dieser Art, gemeinsam zu wirtschaften und zu lernen den treffenden Namen „Lebensfeld“ gegeben.
Im Lebensfeld angekommen, machten wir uns über die richtig guatn Speisen des im Hof gelegenen Hofcafe her und hatten noch ein bissl Zeit zum Ratschen. Danach erzählte uns Hubert Jaksch Interessantes über die Grundsätze seiner Arbeit und die Geschichte seiner Art der Hofbewirtschaftung. So erfuhren wir von dem Bauernsohn und jahrelang erfolgreichen Installateur: „Vor 25 Jahren sagte jeder, das kann nicht gehen – von so einem kleinen Hof kannst du niemals leben. Aber ich wollte einfach nur Bauer sein“. Mittlerweile kann nicht nur er von seinem Hof leben…
Danach führte er uns über seine Felder mit frisch gesetzten Obstbaum-Hecken, Saatgutproduktion, Hokkaido-Kürbis, Lauch, Winter- und Sommerwirsing und Weißkraut, Blaukraut, „Superschmelz-Kohlrabi“, Tomaten usw. – und das in einer Fülle, dass wir alle platt waren: Ein einziger Griff in das Kraut der Gelbe-Rüben-Reihen und Hubert Jaksch hielt bestimmt 1 1/2 kg schönster Gemeinschafts-Rüben in seiner Hand!

Samenfestes Saatgut – wozu?
Etwas Besonderes an der Wirtschaftsweise des Hubert Jaksch ist die Samenfestheit seines Saatgutes. Dies ist für ihn die Grundvoraussetzung für nachhaltigen Gemüseanbau: dass aus selbst gewonnenen Samen auch wieder gutes Gemüse angebaut und geerntet werden kann (Saatgut-Souveränität).
Das gängige Saatgut, das zum Verkauf angeboten wird, ist Hybrid-Saatgut. Dieses verspricht zwar eine reiche Ernte – dafür muss aber jedes Jahr das Saatgut wieder neu gekauft werden. Aus diesen Früchten selbst vermehrtes Saatgut ist unbrauchbar. So müssen zu jeder Anbausaison wieder Samen gekauft werden. Das Problem dabei ist (noch) nicht der Preis, sondern die Abhängigkeit von Konzernen: die Tatsache, dass 10 große Chemiekonzerne (Monsanto, Bayer, Syngenta, usw.) mehr als drei Viertel des Saatgutmarktes weltweit beherrschen, ist bedrückend – und Handlungsbedarf dringend gegeben. Denn warum haben es diese Börsen-Konzerne auf unser aller Kulturgut abgesehen??
Rückzüchtung ist aufwändig
Um wieder samenfestes Saatgut zu erhalten, muss oft Hybrid-Saatgut in langjährigen aufwändigen Zuchtreihen zurückgezüchtet werden. Wie schwierig das sein kann, zeigte uns Jaksch anhand seines Brokkoli-Versuchsanbaus für „Bingenheimer Saatgut“. Er und seine eifrigen Mitstreiter helfen, unser aller Souveränität über das Saatgut zu erhalten – wir danken euch dafür!

Nach einem Blick in den Brotbackofen, den gemauerten Lagerkeller und einer verlängerten Kaffee-, Kuchen- und Ratsch-Pause ging´s wieder weiter.
Diesmal auf den Westerbuchberg zu Martin Sichler.
Pendelhacke und Perserklee
Martin Sichler ist ein Urgestein der Bio-Anbauer. Er hat sich das, was er über Bodenaufbau und Gemüseanbau weiß, selbst angeeignet. Der Autodidakt führte viele Jahre seinen Demeter-Hof samt Hofladen in Grassau. Nach der Aussiedlung auf den Westerbuchberg hat er begonnen, auf dem kargen sandigen Boden dort seine Felder zu bestellen. Wir haben es ihm angesehen: er sprüht vor Begeisterung! Sofort hat er uns seine Gerätschaften wie Pendelhacke und die dazugehörige Arbeitsweise der Mischkultur und Untersaaten mit Luzerne, Wicken, Ackerbohnen und vielen anderen Gewächsen nahegebracht.

Und was wir gesehen haben, bestätigt ihn: Die Pflanzen, die vor oder neben den Kulturpflanzen bewusst ausgesät werden, sind wichtig! Die Wurzeln von Klee und Co. im Boden versorgen Kohlrabi, Radicchio, Gelbe Ruam und Fenchel mit Wasser und Nährstoffen, bauen Humus auf – und laut Sichler kann man nach dem Hacken den Pflanzen beim Wachsen zuschauen!
Karger Boden – reiche Ernte
Ist der Lebensgrund dort oben nicht zu vergleichen mit den satten Böden am Simssee so hat es uns umso mehr erstaunt, welch schöne, große und gesunde Feldfrüchte auch auf kargem Boden gedeihen können – wenn man weiß, wie man´s machen muss!
Mit dem Angebot einer Klimawerkler-Schulung von Martin Sichler, einer Spende unsererseits für Saatgut (denn auch er arbeitet ausschließlich mit samenfesten Sorten), einem abschließenden Einkauf im Hofladen, der Geschichte von den „Schmunzelsteinchen“ (s. Klimawerkler-Seite) und vielen, vielen Eindrücken fuhren wir am Abend eines unglaublich reichen Tages wieder heim. Müde – aber zufrieden (vielleicht sogar glücklich?)
Fazit unserer Lehrfahrt:
Der Reichtum in unserer Gegend an wertvollen zukunftsweisenden Ideen, Initiativen, interessanten und mutigen Menschen mit immensem Wissen und großer Erfahrung tut richtig gut - und macht Mut!